Benno Lüthi
Preisverleihung: 25. Oktober 2025 – Careum Auditorium
In dieser Mission bereist Benno Lüthi seit 1997 regelmässig die Antarktis: zuerst als Passagier, später auf verschiedenen Schiffen im Expeditionsteam als Lektor oder Expeditionsleiter, um Interessierten die Anliegen des ART näherzubringen. In der Zeit von 2004 bis 2016 war er zudem bei Feldarbeiten bei verschiedenen Forschungsprojekten auf den Falkland Inseln, in Argentinien und in Chile tätig. Er ist Co-Autor zahlreicher Studien zur Biologie und Ökologie von Pinguinen und anderen Tieren in antarktischen und subantarktischen Regionen. 2008 bzw. 2014 veröffentlichte er je ein Buch: einen Reisebegleiter «Antarktische Halbinsel, Falkland Inseln, Südgeorgien» und ein Buch über die «Tierwelt der Antarktis und Subantarktis».
Erforschung der Lebensgewohnheiten und Lebensräume, …
Zum einen führt der ART wissenschaftliche Forschungsprojekte durch wie zum Beispiel im Südwest-Atlantik, wo die Biologie und Ökologie der fünf dort vorkommenden Pinguinarten Königspinguin, Magellanpinguin, Eselspinguin, Felsenpinguin und Goldschopfpinguin intensiv studiert wurden. Als Ergänzung wurden vergleichende Untersuchungen an Humboldtpinguinen im Ost-Pazifik, an Dickschnabel- und Kronenpinguinen in Neuseeland und an Albatrossen in Südgeorgien gemacht.
Die in den Forschungsprojekten gesammelten Daten und gewonnenen Erkenntnisse sind in verschiedener Hinsicht äusserst wertvoll: erstens werden sie in der wissenschaftlichen Fachliteratur und diversen Medien öffentlich gemacht – bisher sind über 30 Artikel in Fachjournalen publiziert worden -, zweitens helfen sie bei der Erstellung von Meeresreservaten und Aktionsplänen bei Ölkatastrophen und drittens werden sie Regierungsstellen und Umweltschutz-Organisationen zur Verfügung gestellt.
… um den Tier- und Naturschutz zu verbessern
Zum anderen treibt der ART Naturschutzprojekte voran: 2004 hat er vier eher kleine Inseln (zwischen 7 und 85 Hektaren) im Süden der Falkland Inseln namens Rum, Brandy, Whiskey und Sea Lion Easterly erworben und deklarierte sie als striktes Naturschutzgebiet. Weil diese Inseln bisher weder bewohnt waren, noch fremde Tiere- und Pflanzenarten eingeführt wurden, stellen sie ein ideales Rückzugsgebiet für die ursprüngliche Fauna und Flora dar, wozu eine Reihe von endemischen und in ihrem Bestand bedrohte Arten zählt. Der ART setzt alles daran, dass diese Inseln und ihre Bewohner auch künftig vor jeglicher Nutzung geschützt werden. Erfassungen der Fauna und Flora in den Jahren 2008, 2011, 2013 und 2021 ergaben 29 Pflanzenarten, darunter eine endemische Art, 31 Vogelarten, wovon zwei endemische, sowie 3 Robbenarten. 2006 wurden die genannten Inseln von BirdLife International als «Important Bird Area» ausgewiesen.
Eine weitere Insel, die Hummock Island, mit rund 300 Hektaren, im Westen der Falkland Inseln, erwarb der ART 2016. Auch sie erhielt bereits 2006 das Prädikat «Important Bird Area» von BirdLife International, allerdings wurde sie bis 1981 durch Schafe und Pferde beweidet, wodurch grosse erodierte Flächen entstanden, die sich bis heute weiter ausbreiten. Der ART arbeitet durch Renaturierung dieser Flächen daran, die Insel wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu bringen. Zudem wurde 2018 eine wissenschaftliche Station, das «House of ART», eingerichtet, die von Wissenschaftlern verschiedenster Arbeitsgruppen rege genutzt wird, so zum Beispiel auch von «Tussockgras-Pflanzern», die seit April 2019 im grossen Stil neues Tussockgras anpflanzen, um die oben beschriebene Erosion aufzuhalten und neues Pflanzenwachstum zu fördern.
Vita Benno Lüthi
Benno Lüthi wurde 1945 in Zürich geboren. Während 34 Jahren wohnte er in Oerlikon. Nach einer chemisch-technischen Lehre an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich arbeitete er weitere fünf Jahre als Assistent an der ETH. Anschliessend folgte eine Ausbildung in medizinischer Chemie am Kinderspital Zürich. Nach einem kurzen Sprachaufenthalt in London wurde er Geschäftsführer im medizinischen Labor ANALYTICA. Von 1973 bis 1994 war er Leiter und Miteigentümer des medizinischen Laboratoriums DIAGNOSTICA in Zürich. Neben Untersuchungen in der Humanmedizin führte der Betrieb auch eine Abteilung für Veterinärmedizin, speziell im Bereich Parasitologie bei Wildtieren. Im Jahre 1990 wurde er in den Stiftungsrat der Stiftung zum Schutze der Fledermäuse in der Schweiz aufgenommen, 2001 ist er dem Freiwilligenteam des Zoo Zürich beigetreten. Als sportliche Tätigkeit war seine Passion während fast sechzig Jahren das Segelfliegen. Über 10 Jahre war er Mitglied der Schweiz. Segelflugnational-Mannschaft und durfte sich dort zu den TopTen zählen. 1980 wechselte er zusammen mit seiner Frau den Wohnort nach Forch in der Gemeinde Küsnacht. Am neuen Wohnort engagierte er sich mit seiner Frau für die Amphibien. Während 25 Jahren waren sie die Amphibienbetreuer in Küsnacht. Seine Tätigkeit in den Behörden war die Schulpflege. Dieses Amt versah er während 12 Jahren in der Funktion als Informationschef, Oberstufenpräsident und zuletzt als Gesamtschulpräsident. Noch heute pflegen Lehrer mit ihm Kontakte.
Laudatio – Dr. Alex Rübel
Laudatio von Alex Rübel für Benno Lüthi anlässlich der Verleihung des Jahrespreises 2025 der Stiftung STAB vom 25. Oktober 2025
Laudator/in: Dr. Alex Rübel
Alex Rübel wurde 1955 in Zürich geboren und ist auch dort aufgewachsen. Geprägt durch die frühe Liebe zum Tier nahm Alex Rübel das Veterinärstudium auf. Als Lehrbeauftragter der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Zürich spezialisierte er sich auf exotische Tiere, doktorierte 1985 auf diesem Gebiet und verfasste verschiedene Beiträge und Fachbücher zu diesem Thema. 1991 wurde Alex Rübel Direktor des Zoo Zürich und formulierte eine Vision, eine Strategie und einen Masterplan: diese gaben dem Zoo Zürich als kulturelle Institution eine neue Aufgabe mit drei Aspekten: als Vermittler einer engen Mensch-Tier-Beziehung, als Botschafter für Tiere und Natur und als Kompetenzzentrum im Naturschutz. Neben Anlagen für Brillenbär, Tiger und Schneeleopard entstand als Kernstück der neuen Philosophie der Masoala Regenwald. Dieses Projekt geht weit über das Zeigen von Tieren hinaus: Denn alle Aktivitäten sind von der Einsicht geleitet, dass Mensch und Natur langfristig voneinander abhängig sind und für die Erhaltung der Natur der Mensch und sein Umgang mit den Tieren und Pflanzen entscheidend ist. Mit der Verbindung zwischen dem Masoala Regenwald im Zoo Zürich und dem Nationalpark Masoala in Madagaskar ist ein für die Entwicklung der zoologischen Gärten als Naturschutzzentren wegweisendes Projekt entstanden. Überzeugt davon, dass Naturschutz nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedensten Institutionen und über die Landesgrenzen hinweg möglich ist, engagierte Alex Rübel sich als Präsident des Welt-Zoo-Verbandes (WAZA) für Strategien, die einen effizienteren Naturschutz ermöglichen. Diese Strategien sollen Wege aufzeigen, wie Zoos einen wesentlichen Beitrag zum Naturschutz leisten können. In verschiedenen Publikationen (Masoala – Das Auge des Waldes, 2004; Mensch und Tier, 2005) werden diese beleuchtet. 2006 erhielt Alex Rübel für seine Leistungen den Jahrespreis der Stiftung STAB.
Rede Benno Lüthi
Lieber Präsident, lieber Stiftungsrat, geschätzte Mitglieder der Stiftung STAB, liebe Freunde, liebe Anwesende
Lieber Martin, lieber Alex, herzlichen Dank für eure Reden. Ich weiss gar nicht, wie ich das verdient habe. Es ist mir eine grosse Ehre, heute hier zu stehen und diese besondere Auszeichnung entgegenzunehmen. Ebenso ist es eine Ehre, in dieser Runde von so vielen Freunden, engagierten Menschen und Persönlichkeiten umgeben zu sein. Ich bin überwältigt und dankbar.
Ich danke der Stiftung STAB und der Jury für diese aussergewöhnliche Auszeichnung. Diese Anerkennung ist nicht nur eine Bestätigung meiner Tätigkeit, sondern auch ein Zeichen für die Bedeutung der gemeinsamen Anstrengungen, die wir alle in unseren jeweiligen Bereichen leisten. Es ist sehr ermutigend zu wissen, dass diese Bemühungen gesehen und geschätzt werden. Diese Ehrung ist nicht nur für mich, sondern auch für all jene, die an meiner Seite stehen und mich bei meinen Ideen und Projekten unterstützt haben und weiterhin unterstützen.
Ein ganz besonderer Dank gilt meiner Frau Marianne. Marianne, du bist nicht nur meine Partnerin, sondern auch meine grösste Unterstützerin und Inspiration. Du hast mir immer den Rückhalt gegeben, den ich gebraucht habe, um meine Ziele zu verfolgen. Deine Geduld, dein Verständnis und deine unermüdliche Unterstützung haben mir oft die Kraft gegeben, weiterzumachen – selbst wenn die Herausforderungen gross waren. Ich kann mir nicht vorstellen, wo ich heute stünde, ohne dich an meiner Seite. Ich bin unendlich dankbar für alles, was du für mich tust.
Ich danke auch meinen Kollegen und Freunden, vorab Dr. Klemens Pütz, die mich auf meinem Weg begleiten. Er ist zurzeit auf den Falklandinseln, oder besser gesagt: auf unserer Forschungsstation auf Hummock. Euer Vertrauen und die Zusammenarbeit haben mir geholfen, meine Visionen zu verwirklichen. Gemeinsam haben wir Ideen entwickelt, Herausforderungen gemeistert und Erfolge gefeiert. Jeder von euch hat auf seine Weise zu meinem Werdegang beigetragen, und dafür bin ich sehr dankbar. Ihr habt mir gezeigt – und ich habe gespürt, was Teamarbeit und Zusammenhalt wirklich bedeuten.
Darüber hinaus danke ich all den Menschen, die mich inspiriert haben – Mentoren, die mir wertvolle Lektionen erteilt haben, und all jene, die mir gezeigt haben, was es bedeutet, mit Leidenschaft und Hingabe zu arbeiten. Ihr habt mir die Augen geöffnet und mich dazu ermutigt, auch einmal über den Tellerrand hinauszuschauen. Eure Unterstützung hilft mir, meine Ziele zu erreichen und hoffentlich noch viele Ideen weiterzuentwickeln.
Diese Ehrung ist nicht nur eine Auszeichnung für meine Arbeit, sondern auch eine Erinnerung daran, dass wir alle Teil eines grösseren Ganzen sind. Wir können gemeinsam Grosses erreichen, wenn wir uns gegenseitig unterstützen und ermutigen. Ich hoffe, dass ich mit meiner Arbeit einen positiven Einfluss auf andere haben kann – so wie viele es für mich getan haben.
In der heutigen Welt, die von Herausforderungen und Unsicherheiten geprägt ist, ist es wichtig, dass wir uns auf das konzentrieren, was uns verbindet.
Ich möchte hier nicht politisch werden, aber dennoch erlaube ich mir, aus dem Tierbuch von Elke Heidenreich einen etwas humorvollen und nicht ganz ernst zu nehmenden Kurztext zu zitieren: «Ob im Norden, Süden, Westen – mit der Natur steht’s nicht zum Besten. Das Eis, es schmilzt, die Welt wird wärmer, die Pinguine immer ärmer.»
Darum lasst uns weiterhin zusammenarbeiten, um unsere Visionen zu verwirklichen und dabei versuchen, die Welt ein Stück besser zu machen. Jeder von uns hat die Fähigkeit und Möglichkeit, einen Beitrag zu leisten. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir gemeinsam eine positive Veränderung bewirken können.
Ich bin dankbar für diese Gelegenheit und freue mich auf die kommenden Herausforderungen und Möglichkeiten. Lasst uns weiterhin inspiriert und motiviert bleiben, um das Beste aus uns herauszuholen und die Welt um uns herum zu verbessern.
Ganz, ganz herzlichen Dank für diese ausserordentlich grosse Ehrung und für eure Unterstützung!
Preisverleihung vom 25. Oktober 2025
Am 25. Oktober 2025 wurde Benno Lüthi vor voll besetztem Haus im Careum Auditorium mit dem STAB-Jahrespreis 2025 ausgezeichnet. Den musikalischen Auftakt gestaltete der junge Jazzpianist Maurice Imhof mit schwungvollen, jazzigen Arrangements von Duke Ellington, Will “The Lion” Smith und Frédéric Chopin – ein bewusst überraschendes Programm ganz im Sinne des Preisträgers. Der Präsident des Stiftungsrates der Stiftung für abendländische Ethik und Kultur Martin Vollenwyder begrüsste zahlreiche Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft sowie vier ehemalige Preisträgerinnen und Preisträger. Im Zentrum der Feier stand die Würdigung von Benno Lüthi als aussergewöhnliche Persönlichkeit, leidenschaftlicher Natur- und Tierfreund und unermüdlich Engagierter. In der Laudatio zeichnete Dr. Alex Rübel ein vielschichtiges Porträt von Benno Lüthi: als Mensch, der auf andere zugeht, begeistert und Verantwortung übernimmt. Sein jahrzehntelanger Einsatz reicht vom lokalen Arten- und Lebensraumschutz über seine Arbeit im Zoo bis hin zu international wirksamen Naturschutzprojekten in der Antarktis und auf den Falklandinseln. Gewürdigt wurden dabei insbesondere seine Verbindung von praktischem Handeln, Forschung, Innovationsfreude und Bildungsarbeit. In seiner Dankesrede zeigte sich Benno Lüthi tief bewegt. Er betonte, dass die Auszeichnung nicht nur seine persönliche Arbeit würdige, sondern die gemeinsamen Anstrengungen vieler Weggefährtinnen und Weggefährten sichtbar mache. Ein besonderer Dank galt seiner Frau Marianne sowie seinen Kolleginnen, Kollegen und Freunden. Mit Blick auf die aktuellen ökologischen Herausforderungen rief er dazu auf, Verantwortung gemeinsam zu tragen und sich weiterhin für den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen zu engagieren. Beim anschliessenden Apéro bot sich Gelegenheit für persönliche Begegnungen und Gespräche mit dem Preisträger.